Bericht vom 9.8.2011 unter Schwäbisch.de
Hipp und Heber „verballern“ EM-Generalprobe
PFORZHEIM / sz Am vergangenen Wochenende fanden auf der Standanlage der SG Pforzheim die Deutschen Meisterschaften der Vorderladerschützen statt. Die Hoffnungen der Freunde von Pulver und Blei im Schützenbezirk V Bodensee lagen dabei auf der Trägerin des Silbernen Lorbeerblatts, der vielfachen Welt- und Europameisterin Tania Heber (SV Daisendorf) und dem Bezirksschützenmeister Joachim Hipp (SG Pfullendorf/Aach-Linz und SV Daisendorf).
Beide DM-Teilnehmer hatten sich in den vergangenen Wochen einem verstärkten Training unterzogen, um bei den nationalen Titelkämpfen möglichst Edelmetall zu ergattern, schließlich sind beide nicht umsonst mehrfache Landesmeister. Sie fuhren bestens vorbereitet zu der altehrwürdigen Standanlage des LLZ. Aber, wie schon viele Starter feststellen mussten. Die DM in Pforzheim hat ihre eigenen Regeln“
Die Ergebnisse der Schützen aus allen Landesverbänden blieben in diesen Jahr weit hinter den Resultaten vergangener Meisterschaften zurück. Ausnahme: Petra Leonhard (PSG Darmstadt) stellte in der Damenklasse Perkussionsgewehr mit 149 von 150 Ringen den bestehenden Deutschen Rekord ein und gewann die Goldmedaille. Tania Heber blieb mit 142 Ringen weit hinter ihren sonstigen Leistungen zurück und belegte den 12. Platz, immer noch eine akzeptable Platzierung unter den 50 Schützinnen.
In den Wettbewerben Freies Perkussionsgewehr und Perkussionsdienstgewehr musste sich Tania Heber nicht nur mit der weiblichen, sondern auch mit der männlichen Konkurrenz auseinandersetzen. Das gelang ihr bisher stets sehr gut, doch diesmal war „der Wurm drin“. In beiden 100m-Wettbewerben hatten die Teilnehmer mit starken Windböen und permanent wechselnden Lichtverhältnissen von grellem Sonnenschein und Schatten zu kämpfen. Die Vorderladerschützen müssen ihre 15 Wertungsschüsse innerhalb 40 Minuten abgeben, dazwischen den Lauf reinigen und die Ladung einbringen. Die Daisendorferin musste jeweils früh am Morgen starten, als die Lichtverhältnisse besonders extrem waren. Während Robinson Nitsche (SG Bremen) mit 146 Ringen die DM Freigewehr für sich entschied, musste sich Tania Heber mit 143 Ringen und dem 10. Platz zufrieden geben. Nitsche holte mit relativ schwachen 142 Ringen in der Disziplin Dienstgewehr sein zweites Gold; die Schützin Heber hatte mit technischen Problemen an ihrem Gewehr zu kämpfen, brach den Wettkampf ab und belegte mit 97 Ringen den 67. Rang.
Nicht besser erging es Joachim Hipp; der Landesmeister mit der Muskete startete furios in den Wettkampf, dann löste sich ein Schuss vorzeitig. Das führte zu einer Null, dazu schoss er noch eine Fünf und damit war der Medaillentraum vorbei. Hipp belegte mit 108 Ringen den 38. Platz; Deutscher Meister wurde mit 139 Zählern Roland Juranek (SG Nennzlingen). BSM Hipp hatte bei ähnlicher Konstellation auch mit dem Steinschlossgewehr kein Glück; obwohl er einen neuen Flintstein eingespannt hatte, schlug dieser nicht richtig auf die Pfanne – also musste der alte wieder her. Dadurch lief die Zeit davon und es reichte nur für 128 Ringe, ein Platz im hinteren Mittelfeld.
Während Joachim Hipp bereits die Koffer für den Urlaub packt, ist Tania Heber täglich beim Training auf der heimatlichen Standanlage des SV Daisendorf zu finden. Die ehrgeizige Erfolgsschützin wird nach der missglückten Generalprobe bei der DM ihr Augenmerk auf die Premiere, die Europameisterschaften in der Zeit vom 21. bis 28. August in Finnland richten; in Halikko konnte sie 2003 bereits einmal im Wettbewerb Walkyrie Europameisterin werden. Ein weiteres Highlight in ihrem prall gefüllten Terminkalender: der zum ersten Mal in Hüfingen bei Donaueschingen am 1. und 2. Oktober stattfindende Deutschland-Cup der Vorderladerschützen, an dem alles teilnimmt, was bei den Schwarzpulverschützen Rang und Namen hat.
(Erschienen: 09.08.2011 09:50)