Wiesbadener Schützengesellschaft feiert 175-jähriges Bestehen


Von Ingeborg Toth

WIESBADEN – Als Verein ist die Wiesbadener Schützengesellschaft (WSG) einer der größten in Hessen, der älteste der Stadt ist er mit 175 Jahren sowieso: Am Wochenende wurde gefeiert, auf dem eigenen, weitläufigen Gelände unweit der Fasanerie. Im Festsaal des „Neuen Schützenhauses“ fand die akademische Feier statt, mit Oberbürgermeister Sven Gerich als prominentestem Gast, der die Stadtplakette in Gold verlieh – mit drei Diamanten. „Es gab über die Jahrzehnte immer wieder Menschen, die sich in schwierigen Zeiten für ihren Sport engagierten“, so Gerich. „Menschen, die anpacken, wieder aufbauen – und es braucht immer einen vornedran. Einer, der mit seinem Sport und der Tradition seines Vereins verbunden ist.“ Dieser eine ist Uwe Dey, WSG-Präsident seit 2002, der die Amtskette des Wiesbadener Bürgerschützen Corps trug, mit dem im Jahr 1843 alles begann.

Historisches Gebäude erfordert hohen Aufwand.

Schützen, so Dey, gibt es in Wiesbaden seit 1511 – und die ersten amtlichen Dokumente zum Wiesbaden Bürgerschützen Corps stammen aus dem Jahr 1844.

Das Corps mit Schießstand Unter den Eichen stand dem Herzog Adolph von Nassau treu zur Seite. Seit’ an Seit’ betrieben Corps und der 1860 gegründete Wiesbadener Schützenverein Unter den Eichen ihre Schießstände auf einem Gelände, das von der Stadt gepachtet war. Um die Jahrhundertwende meldete die Stadt dort Bedarf an – sie brauchte das Grundstück für den Wohnungsbau. Die Absicht, sich im Rabengrund niederzulassen, konnten die Schützen nicht verwirklichen, nachdem sie sich dort eingekauft hatten. Das Gelände dort tauschte man mit dem Grund und Boden, das den im Jahr 1909 fusionierten Vereinen im Distrikt Klosterbruch angeboten wurde. Hier unterhält man bis heute ein fünfeinhalb Hektar großes Grundstück, auf dem das Schützenhaus steht, 1913 von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht.

Das historische Gebäude kranke an allen Ecken und Enden. „Der Unterhaltung ist enorm kostspielig“, so Dey. „Wir als Vorstand stehen voll in der Verantwortung.“ Allein der Schallschutz-Emissionen wegen werde man die Schießstände mit hohem Aufwand renovieren und sanieren müssen. Was der Gesetzgeber den Vereinen aufbürde, sei oft nicht so leicht zu stemmen.

Dey stellte die Jugendarbeit heraus: Fredericke Neumann und Stefan Schmidt hätten den WSG-Nachwuchs wieder zu Erfolgen geführt. Der Verein hat Europa- und Weltmeister in den eigenen Reihen, mit Rainer Holla und Norbert Neumann auch Olympiasieger. Die hätten „mit grandiosen Siegen“ in Rio viel für das Sportschießen getan.

Breitensport habe man auch im Blick. Und werde dafür vom Präsidenten des Deutschen Schützenbunds, Hans-Heinrich von Schönfels, ausdrücklich gelobt. Dey appellierte an die Stadt Wiesbaden, die Schützen zu unterstützen: „Damit sie ihre Heimat im Klosterbruch behalten können.“ Der Oberbürgermeister, der den Sportamtsleiter Karsten Schütze mitgebracht hatte, versprach größtmögliche finanzielle Unterstützung.

Vereinsarchivar Klaus Enkirch zeigte bemerkenswerte Dokumente. So eines der ersten Kassenbücher aus dem Jahr 1862 – in Gulden und Kreuzer geführt. Vereinsgeschichte ist gleichbedeutend mit der Geschichte Deutschlands. Mit Gründung des Deutschen Reichs 1871 wurde die einheitliche Reichswährung, die in 100 Pfennige unterteilte Mark, eingeführt. Enkich präsentierte einen der ersten Mark-Scheine. An der akademischen Feier nahmen außer den Repräsentanten befreundeter Vereine der Sportkreis-Vorsitzende Helmut Fritz, Klarenthals Ortsvorsteher Gunter Ludwig, aber auch Bezirksschützenmeister Dieter Nehring teil. Dieter Bernhardt und Erwin Ross, Ehrenmitglieder der WSG, erhielten besondere Auszeichnungen.

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