28. Weltmeisterschaft Vorderlader in Eisenstadt / Österreich


Acht WM-Medaillen für Walter Massing

Bei den 28. Weltmeisterschaften des internationalen Vorderladerverbandes „MLAIC“ wurde die Auswahl des Deutschen Schützenbundes im österreichischen Eisenstadt ihrer Favoritenrolle gerecht und dominierte bei den 59 Entscheidungen mit dem Gewinn von 21 Gold-, elf Silber- und zwölf Bronzemedaillen die Wettbewerbe, an denen sich 395 Teilnehmer aus 25 Nationen beteiligten.

„Mit knapp 1700 Starts sind wir am Limit, was möglich ist“, sagte MLAIC- Generalsekretär Gerhard Lang, der vor Beginn der Titelkämpfe im Rahmen der Delegiertenversammlung in seinem Amt für vier Jahre bestätigt wurde. Auf den Standanlagen des Burgenländischen Sportschützen-Landesverbandes herrschten an den vier Wettkampftagen bei hohen sommerlichen Temperaturen schwierige Windverhältnisse, so dass die Aktiven nicht an die hohen Ringergebnisse der vergangenen Jahre anknüpfen konnten. Im Verlauf der Titelkämpfe wurden nur vier neue Rekordergebnisse erzielt, an denen das deutsche Team in zwei Mannschaftswettbewerben beteiligt war.

Im 24-köpfigen deutschen Nationalteam standen mit Walter Massing (Tell Haßloch), Lothar Behrend (Tell Mörfelden) und Hans-Michael Würdinger (SpS Niederwetz) drei hessische Vorderladerschützen, die großen Anteil an den Erfolgen hatten.

Weltrekordmarke um acht Ringe verbessert

Erfolgreichster Hesse war Walter Massing, der insgesamt acht Medaillen gewann und seinen größten Erfolg in Eisenstadt beim „Kossuth“-Wettbewerb mit dem Steinschlossgewehr auf 50 Meter Entfernung feierte. Gleich um sechs Ringe verbesserte der Ginsheimer zusammen mit Achim Bailer und Peter Käpernick die acht Jahre alte Bestmarke in der Mannschaftskonkurrenz. Für den 59-jährigen Massing war dieser Erfolg der Höhepunkt seiner neunten WM-Teilnahme seit 1996. Insgesamt gewann Massing drei Gold- und zwei Silbermedaillen in den Mannschaftswettbewerben, musste aber in den Einzelwettbewerben mit drei Bronzemedaillen zufrieden sein. „Ich habe nicht die Ergebnisse erreicht, die ich mir erhofft habe. Viele Schüsse waren knapp an der Zehn vorbei“, meinte Massing zu seinem Abschneiden. „Ich bin nicht mehr der Leistungsträger früherer Jahre, bin aber mit meinen Ergebnissen noch immer sehr mannschaftsdienlich.“

Vier Mal seit 2002 gewann Walter Massing den „Vetterli“-Wettbewerb mit dem Perkussionsgewehr auf 50 Meter Entfernung. Seinen fünften Sieg in dieser Stehenddisziplin verpasste Massing denkbar knapp und erreichte mit 98 von 100 möglichen Ringen den dritten Platz. Ebenfalls Dritter wurde der Ginsheimer im Pennsylvania-Wettbewerb mit dem Steinschlossgewehr auf 50 Meter Entfernung und seinen dritten Bronzerang holte er mit dem Luntenschlossgewehr im 50-Meter- Kniendschießen beim Wettbewerb „Hizadai“.

Zwei Medaillen zum Comeback von Lothar Behrend

Während Walter Massing seit 1993 zur Stammformation des deutschen Vorderlader- Nationalteams gehört und auf elf gewonnene Einzeltitel verweisen kann, gelang Lothar Behrend nach einer 15-jährigen Pause ein überraschendes Comeback. Im Jahr 1989 gewann der Mörfelder seinen ersten Weltmeistertitel. Fast dreißig Jahre später stand der inzwischen 70-jährige Tellschütze wieder auf dem Siegerpodest und freute sich über zwei Medaillen. „Ich bin rundum zufrieden“, sagte Behrend und erinnerte sich an seinen ersten Titelgewinn. „Das war damals der Hammer.“ In Eisenstadt bestritt Behrend seine neunte internationale Meisterschaft und hatte mit den Tücken der Technik an seinem fast 300 Jahre alten japanischen Luntenschlossgewehr zu kämpfen. „Leider hat das Schloss nicht mehr gehalten und ich musste mit Sekundenkleber eine Notoperation vornehmen“, begründete er seine mäßige Leistung im „Tanegashima“-Wettbewerb, in dem er mit seinem Original- Luntenschlossgewehr nur 66 Ringe im Verlauf des 13-Schuss-Wettkampfes auf 50 Meter Entfernung erreichte, von denen die besten zehn Treffer gewertet wurden. So wurden von der Konkurrenz mehr die kunstvollen Verzierungen auf dem Lauf bestaunt, die das Leben eines Samurai darstellen. Etwas besser lief es im Wettkampf „Hizadai“, dem Kniendanschlag der Samurai, bei dem Behrend 84 Ringe erreichte und den elften Platz belegte. Mit dem Luntenschlossgewehr verpasste der Mörfelder mit vierten Plätzen auch in den Mannschaftswettbewerben das Siegerpodest. Dafür konnte er sich bei den 100-Meter-Disziplinen mit dem Perkussions-Dienstgewehr über die Bronzemedaille im „Magenta“-Mannschaftswettbewerb zusammenmit Ute Gretz und Leonhard Brader freuen. Die Silbermedaille gewann Lothar Behrend gemeinsam mit Gudrun Wittmann und Tania Heber im „Lucca“- Mannschaftswettbewerb mit dem Steinschlossgewehr.

Nach zwei Europameisterschaften 2009 und 2017 bestritt Hans-Michael Würdinger seine erste Weltmeisterschaft im Vorderladerschießen und fügte sich mit dem Gewinn von drei Medaillen nahtlos ins deutsche Team ein. „Ich kenne den Stand in Eisenstadt von meinen Grand Prix-Teilnahmen. Die Teilnahme ist für mich schon ein Erfolg und wenn es gut läuft, wäre eine Medaille sehr schön.“ Der 55-Jährige mag die 25-Meter-Wettbewerbe mit dem Perkussionsrevolver und der Perkussionspistole. „Da weiß man, wo die Kugeln hinfliegen und es ist kein Glücksspiel“, meinte Würdinger, der seit 15 Jahren im Vorderladersport aktiv ist.

Der Auftakt im „Colt“-Wettbewerb mit einem Original-Perkussionsrevolver begann für Hans-Michael Würdinger auf Rang 24. Besser lief es im Replika-Wettbewerb „Mariette“, wo er mit 95 von 100 möglichen Ringen Neunter wurde und nur knapp um zwei Ringe die Medaillenränge verfehlte. Keine Chance hatte er im Cominazzo- Wettbewerb mit einer Replika-Steinschlosspistole auf Rang 45 mit 82 Ringen, doch diese Enttäuschung hielt nicht lange an. Mit 94 Ringen erreichte er im „Kuchenreuter“-Wettbewerb mit einer Original-Perkussionspistole den Vizeweltmeistertitel und damit seine beste Einzelplatzierung.

In den Teamkonkurrenzen hatte Hans-Michael Würdinger mit der Steinschlosspistole gemeinsam mit Martin Kloke und Steffen Tuchscheerer beim Wogdon-Wettbewerb auf Rang sieben die Medaillenränge klar verfehlt, doch mit der Perkussionspistole holte er sich die erhoffte Goldmedaille. Gemeinsam mit Matthias Dreisbach und Martin Kloke gewann Hans-Michael Würdinger beim „Boutet“-Wettbewerb mit 283 Ringen klar vor der Schweiz (275) und den Briten (271).

Mit der Luntenschlosspistole erzielte Würdinger in der Disziplin „Tanzutsu nur 72 Ringe und kam zusammen mit Martin Kloke und Volker Valentin im „Kunitomo“- Wettbewerb auf den sechsten Platz. Eine gute Leistung mit 78 beim 50-Meter- Wettbewerb „Donald Malson“ mit dem Perkussionsrevolver wurde neben zehnten Einzelrang in der Kombinationsdisziplin „Remington“ bei der Mannschaftskonkurrenz „El Alamo“ mit einer Silbermedaille belohnt. Seine dritte WM- Medaille bei den Titelkämpfen in Eisenstadt holte der einzige hessische Kurzwaffenschütze zusammenmit Siegfried Jungwirth und Joachim Haller.

Mit jeweils zwei Einzel-Goldmedaillen waren Achim Bailer von der SG Böblingen und Volker Valentin von der PSG Finsterwalde die erfolgreichsten deutschen Teilnehmer. Die meisten Medaillen gewann Peter Käpernick von der FSG Schongau. Der Linksschütze aus Bayern absolvierte sieben Starts an vier Wettkampftagen und gewann neben einer Einzel-Goldmedaille und zwei Silbermedaillen in den Mannschaftswettbewerben jeweils drei Gold- und Silbermedaillen sowie eine Bronzemedaille.

Hinter dem dominierenden deutschen Team konnten die Aktiven aus Frankreich (7 Gold-, elf Silber- und zwölf Bronzemedaillen), Spanien (6,4,6) und vom Gastgeber Österreich (5,5,6).

MLAIC-Generalsekretär Gerhard Lang kündigte für die Jahre 2019 und 2020 die Austragung von zwei Europameisterschaften in Ungarn und Italien an, bevor zum 50- jährigen Jubiläum des internationalen Vorderladerverbandes im Jahr 2021 die Standanlage in Pforzheim Austragungsort der 29. Weltmeisterschaften sein wird. Die 30. Welttitelkämpfe des MLAIC wurden für das Jahr 2022 nach Argentinien vergeben.

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